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Berlin per pedes

Meine Umweltkarte war abgelaufen (welch Wortspiel). Frage war jetzt natürlich, muss eine neue her ? Warum nichtmal ein Experiment wagen und Berlin so erkunden, wie vor hundert Jahren, also zu Fuss? Gesagt getan.

Seit einer Woche gehe ich zu Fuss zur Arbeit und zurück. Das dauert jeweils 45 Minuten. Wenn ich so überlege, dass ich mit der Strassenbahn 30 Minuten brauche, dann sind die 15 Minuten, die man eher losgehen muss gut angelegt.

Ich gehe vorbei an all dem Ärger und Stress, den man im öffentlichen Nahverkehr in Berlin findet. Keine Verspätungen, keine kuschelige Atmosphäre mit sichtlich genervten Mitinsassen, die krampfhaft auf ihr iPhone starren und doch nur den Moment herbeisehnen, an dem der nächste Becher Kaffee (natürlich XXL) vertilgt werden kann.

Ist schon komisch, wir werden zwar älter, haben aber immer weniger Zeit. Ich nehme mir die Zeit. Die Radfahrer (eine besondere Spezies Berliner) rast an mir vorbei. Es gilt der ungeschriebene Berliner Fahradfahrer Codex (kurz BFC): Erst absteigen, wenn das Ziel erreicht ist. Egal ob Ampel, Fussgänger auf dem Bürgersteig oder Autos das verhindern wollen. Anhalten an Ampeln ist was für Weicheier.

All das fliegt an mir vorbei. Erstaunlicherweise treffe ich trotzdem an fast jeder Ampel die gleichen Radfahrer. Das ist mal Effizienz.

Ich gehe jeden morgen den gleichen Weg. Der Körper gewöhnt sich dran und verfällt in einen Automatismus, ähnlich wie beim Jogging. Schon nach den ersten Metern fängt das Gehirn von selbst an über Probleme und deren Lösung nachzudenken.

Beim nächsten Gang darf ich nicht vergessen, Notizbuch und Stift mitzunehmen. Sonst sind die Ideen zu schnell wieder verflogen. Wie sagte doch ein bekannter deutscher Schriftsteller: "Es gibt mehr Ideen als Spatzen. Sie fliegen nur nicht so frei herum."

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