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Journalismus, live erlebt

Heute war ich wieder eingeladen zum Mediendisput in der Landesvertretung von Rheinland-Pfalz in Berlin. Thema des heutigen Abends war:

Auslandsberichterstattung im Ausnahmezustand – Was und wie berichten Journalisten noch über Krisen und Kriege?

Dazu waren folgende Gäste eingeladen:

  • Stephanie Doetzer, Ehem. Redakteurin Al Jazeera, Qatar
  • Christoph Maria Fröhder, freier Fernsehjournalist und Krisenreporter
  • Astrid Frohloff, Vorstand Reporter ohne Grenzen
  • Matthias Gebauer, Chefreporter „Spiegel Online“
  • Susanne Koelbl, Krisenreporterin „Der Spiegel“
  • Julian Reichelt, Kriegsreporter „Bild“
  • Prof. Dr. Stephan Weichert, Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation (MHMK), Ko-Autor der Studie „Die Vorkämpfer“

Die Moderation lag wieder bei Prof. Dr. Thomas Leif

Das Buch von Professor Weichert war auch der Aufhänger für die Gesprächsrunde. Für dieses Buch hatte er insgesamt 17 Auslandsjournalisten nach ihrer Arbeit befragt. Ein erstes Fazit, dass er gleich zu Beginn der Diskussion zog, war, dass es heute immer nur um das jeweils aktuelle Thema geht und dass der Druck auf die Journalisten zunimmt, immer der erste zu sein. Es bleibt kaum noch Zeit für Themen abseits der bekannten Krisenherde, die nicht weniger wichtig sind. Und viele Krisen werden nur kurz behandelt, weil ja schon die nächste vor der Tür steht. Wer denkt heute noch an das Erdbebenunglück von Haiti ?

In der Diskussion konnte der Zuschauer auch erfahren, was es denn eigentlich mit dem sogenannten "Embedded" Journalismus auf sich hat. Journalisten werden in Krisengebieten in die Truppe "eingebettet" und können so an Orte gelangen, die sie sonst nicht sehen würden. Ein großes Problem dabei ist natürlich die Distanz des Journalisten. Wie kritisch darf er noch sein ? Letztlich hängt dies von jedem Journalisten selbst ab. Einen guten Journalisten zeichnet eben aus, dass er nicht nur das berichtet, was ihm von staatswegen vorgeführt wird, sondern dass er auch versucht, sich eine eigene Meinung zu bilden.

Interessant war dabei die Information, dass die Bundeswehr mit Journalisten wesentlich strikter umgeht als zum Beispiel die Amerikaner. Bei Berichten aus den deutschen Lagern in Afghanistan wird so gut wie alles zensiert und es gibt kaum eine Möglichkeit, ohne die Hilfe der Bundeswehr über die Zustände dort zu berichten.

Ein angenehmer Farbtupfer in der Diskussion war die ehemalige Redakteurin des arabischen Senders Al Jazeera, Stephanie Doetzer. Viele stellen sich die Arbeit in einem arabischen Sender, gerade für eine junge Frau, als sehr schwierig vor. Manche glauben vielleicht, dort müssten alle Frauen verschleiert herumlaufen. Dem ist aber nicht so. Es scheint eine ganz normale Redaktion zu sein, die sich aus Mitarbeitern aus vielen Ländern und Kulturen zusammensetzt. Das Geld kommt dabei vom Emir von Katar. Auch wenn es viele Lobbies gibt, die im Sender ihre Themen durchdrücken wollen, können Reporter relativ frei berichten.

Zum Schluss ging es dann auch noch um das aktuelle Thema der beiden entführten Bildreporter im Iran. Hier wurde die vom Springer Verlag ins Leben gerufene Kampagne zur Rettung der beiden Reporter sehr kritisch gesehen. Allgemein war klar, dass hier von Seiten Springer viele handwerkliche Fehler gemacht wurden, als man zwei sehr unerfahrene Journalisten ausgerechnet in den Iran geschickt hatte. Offensichtlich waren sie nicht gut vorbereitet worden. Trotzdem wünschen sich natürlich alle Beteiligten, dass die Beiden wieder gesund und munter nach Deutschland kommen.

Im Anschluss an die sehr muntere zweistündige Diskussion konnte das Publikum noch Fragen stellen. Davon wurde reichlich Gebrauch gemacht. Danach dann wurde wie üblich das kleine pfälzische Buffet eröffnet, mit pfälzischen Landwein und Hirsesuppe. Für mich war es ein interessanter Abend, mit einer Diskussion, die man so im "normalen" Fernsehen leider nicht sieht. Ich werde beim nächsten Mal sicher wieder dabei sein.

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