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Lesebühne - zwischen Dilletanten und Profis

Am Sonntag war ich mal wieder nach langer Zeit bei der Reformbühne Heim und Welt, Berlins ältester Lesebühne. Aber Alter schützt nicht vor Torheit. Vor 3 Jahren war der Abend ein echter Genuss. Diesmal durchlitten wir Höhen und noch mehr Tiefen. Wie gewohnt professionell war der Altmeister der Lesebühne Heiko Werning, der in seinem bekannten Duktus über die Unkenntnis von Städtern über die Unterschiede zwischen Ringelnattern und echten Schlangen referierte. Der Beifall und das befreiende Lachen des Publikums warem ihm sicher.

Dieser Beitrag war auch schon der Höhepunkt des Abends. An Tiefpunkten gab es einige. Da war zum Beispiel der Diavortrag, neudeutsch Slideshow, der mehrmals angefangen werden musste, weil sich der Referent offensichtlich nicht richtig vorbereitet hatte. Bilder waren in falscher Reihenfolge und auf dem Kopf dargestellt. Da habe ich mich schon gefragt, was das mit einer "LESE"-Bühne zu tun hat. Ach ja das Thema war natürlich super: Einfamilienhäuser in Rangsdorf.

Der nächste Tiefschlag war dann musikalischer Natur. Also es sollte musikalisch sein, sprich der Künstler (ich verschweige mal den Namen) versuchte zu singen. Vorher teilte er uns mit, dass er einen Song von Depeche Mode  neu interpretieren wollte, mit deutschen Texten. Er sagte leider nicht, welcher Song es sein sollte. Wahrscheinlich nahm er an, dass wir schon nach den ersten Takten das Lied erraten würden. Welch fatale Selbstüberschätzung gepaart mit uferlosen Selbstbewusstsein. Melodie - Fehlanzeige. Also ein Rap, würde jemand sagen, der nicht dabei war, leider auch nicht. In diesen Momenten hätte ich mir sogar Bushido auf der Bühne gewünscht, das wäre besser gewesen. Nach 3 Minuten zogen wir die Konsequenz und verliessen das Etablissement, es war übrigens das Kaffee Burger, ansonsten eine wirklich zu empfehlende Lokalität. Ob ich nochmal eine Lesebühne besuchen werde, weiss ich nicht, wahrscheinlich aber schon, man glaubt ja doch an das Gute im Menschen.

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